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Was eine Getreidewanze mit einer Scheidung zu tun hat oder Schiebetür-Momente als Schlüssel zum Beziehungsglück


Was hat eine Getreidewanze mit einer unglücklichen Beziehung zu tun? Auf den ersten Blick nichts, wenn man aber die Getreidewanze als Metapher für destruktive Beziehungsmuster verwendet, dann gibt es eine große Gemeinsamkeit. Dem amerikanischen Psychologen John Gottman zufolge ist Verachtung die Emotion, die sich am destruktivsten auf Stabilität und Glück in einer Partnerschaft auswirkt. Langsam, zunächst unbemerkt, aber unaufhaltsam geht sie an ihr zerstörerisches Werk und ist insofern vergleichbar mit der Getreidewanze. Ihre nur wenige Millimeter großen Junglarven fressen sich nahezu unbemerkt in ein Getreidekorn hinein und höhlen es von innen aus. Nur eine kleine Einstichstelle im Korn liefert den drohenden Hinweis.

Das können Sie eindrucksvoll und live im Extavium in Potsdam erleben. Das Extavium ist ein sehr empfehlenswertes Mitmachmuseum für Groß und Klein – ein Besuch lohnt sich. Im Hintergrund des Titelbildes oben sehen Sie ein Glasgefäß mit Getreidekörnern, das ich im Extavium aufgenommen habe. Mit bloßem Auge sieht man in dem Gefäß nur die Körner. Drückt man jedoch eine Taste, die einen Lautsprecher einschaltet, der mit einem im Glas befindlichen Mikrofon verbunden ist, so hört man das Knabbern der Junglarven, die sich im Inneren des Korns versteckt haben und es unbemerkt aushöhlen.

Raus aus der Negativspirale

Finden Sie den Gedanken an eine sich durch Getreide fressende Wanze eklig? Dann haben Sie genau die richtige Assoziation zu Verachtung. Diese ist in ihren emotionalen Ursprüngen nämlich dem Ekel sehr verwandt, was sich auch mimisch äußert.

Wie Sie Verachtung in der Mimik erkennen, lesen Sie hier!

Wenn die Verachtung erst einmal an einer Beziehung nagt, dann stecken Sie bereits sehr tief in einer Negativspirale. In meinem Buch „Der Liebes-Code“ beschreibe ich fünf aufeinanderfolgende Schritte, die Beziehungen an den Rand des Abgrunds bringen. Die Verachtung ist bereits der fünfte Punkt. Lassen Sie uns einen Blick darauf werfen, was der Einstieg in die Negativspirale ist.

Im ersten Schritt übersehen Paare meist zunächst einmal „nur“ die Bedürfnisse ihres Partners. Meistens nicht bewusst, sondern völlig unabsichtlich. Denn häufig formulieren wir unsere Bedürfnisse nicht in Worten, sondern drücken sie lediglich nonverbal aus. Dazu möchte ich Ihnen ein Beispiel von meiner Frau und mir beschreiben: Neulich machen wir einen gemeinsamen Spaziergang. Als ich zufällig eine Buchhandlung entdecke, huscht ein kurzer Ausdruck von Freude über mein Gesicht. Meiner Frau sieht dies und sagt zu mir: „Na komm, lass uns reingehen. Ich weiß doch, dass du Bücher liebst“. Wenn Sie die Bedürfnisse Ihres Partners sehen wollen, achten Sie vor allem auf die kleinen, schnellen Bewegungen, die sogenannten Mikroexpressionen in der Mimik. Diese verraten Ihnen am zuverlässigsten, wie sich ein Mensch fühlt. Und Emotionen sind ein direkter Hinweis auf die Bedürfnisse einer Person.

Öffnen Sie die Schiebetür zum Glück

Entstehen beispielsweise für einen kurzen Moment Lachfältchen in den Augenwinkeln, wenn ihr Partner etwas sieht? Das ist ein Hinweis auf Freude. Oder macht ihr Partner große Augen, wenn er etwas entdeckt? Ein Signal für Interesse. Wenn Sie auf diese kleinen mimischen Signale und die dahinterstehenden Bedürfnisse eingehen, steigert das Ihr Beziehungsglück. Solche Momente nennt Gottman Schiebetür-Momente.

Wenn unser Partner durch eine Emotion ein Bedürfnis ausdrückt, haben wir zwei Möglichkeiten: Entweder wir schieben die Tür, die sich gerade geöffnet hat, auf und treten ein, oder wir ziehen sie zu und wenden uns ab. Die Hektik des Alltags bringt es leider mit sich, dass wir nicht jeden Schiebetür-Moment positiv nutzen können. Das ist völlig normal und passiert auch bei glücklichen Paaren. Geschieht es allerdings zu oft, sind wir enttäuscht und vielleicht auch verärgert und formulieren unsere Bedürfnisse mehr und mehr nur noch auf nonverbaler Ebene. Hatten wir einen schlechten Tag, sprechen wir es vielleicht nicht mehr aus, sondern teilen nur noch durch unsere Mimik und Körpersprache mit: „Bitte sei für mich da!“

Wenn Sie jedoch die manchmal subtilen Signale der Mimik und Körpersprache lesen können, ist die Tür ins Beziehungsglück weit offen. Dass Ihnen diese Fähigkeit auch beim Flirten hilft, liegt auf der Hand, denn mit einem klaren Blick für die Gefühle Ihrer Mitmenschen gelingt es Ihnen noch leichter, eine echte Verbindung herzustellen. Wie Sie durch ein paar einfache Ideen die stille Sprache der Mimik für Ihr Liebesglück entschlüsseln, lesen Sie in meinem neuen Buch: Der Liebes-Code – Wie Sie Mimik entschlüsseln und Ihren Traumpartner finden

Der Liebes-Code