% Wahrnehmung

Haben Sie Fragen? Telefon: 030 235 99 38 0 oder E-Mail: info@dirkeilert.com

Sich mit Mimikresonanz schützen: wie Sie Lügen erkennen - die drei Meta-Emotionen


Auch wenn ich Mimikresonanz nicht als Instrument zur Lügenerkennung entwickelt habe – sondern zur Förderung einer empathischen Kommunikation –, lässt sich das darin enthaltene Wissen hervorragend dafür nutzen, Täuschungsmanöver in Gesprächen besser zu erkennen. Denn je klarer wir sehen, wie sich unsere Gesprächspartner fühlen, desto präziser können wir auch wahrnehmen, ob uns gerade die Wahrheit oder eine Lüge präsentiert wird. Was mir persönlich dabei sehr wichtig ist: Ziel sollte aus meiner Sicht immer eine wertschätzende und beziehungsfördernde Kommunikation sein, die eine wahrheitsfördernde und vertrauensvolle Atmosphäre schafft, in der sich alle Gesprächspartner wohlfühlen. Es gibt aber Situationen, in denen wir uns schützen müssen, denn nicht jeder hegt gute Absichten und so gibt es leider auch Lügen und Betrug in dieser Welt. In diesem Sinne verstehe ich Mimikresonanz als Werkzeug, mit dem wir uns davor schützen können, in Gesprächen hinters Licht geführt zu werden. Dies kann neben dem privaten Alltag in verschiedenen professionellen Situationen sehr wichtig sein: zum Beispiel als Kunde in Verkaufsgesprächen, als Personalverantwortlicher in Bewerbungssituationen oder auch in der Verbrechensbekämpfung als Verhörspezialist.

Wie sich Mimikresonanz als Werkzeug für mehr Sicherheit einsetzen lässt, war gestern Thema in einem Beitrag bei Galileo auf ProSieben. Den Beitrag können Sie sich hier anschauen (ab Minute 4:43 geht es um Mimikresonanz). Dieser Blogbeitrag liefert Ihnen wichtige Hintergrundinformationen zur Galileo-Sendung.

Es gibt nicht das Zeichen für eine Lüge

An dieser Stelle sei ausdrücklich gesagt, dass es nicht DAS Zeichen für eine Lüge gibt. Es gibt nicht die Pinocchio-Nase, an der wir erkennen können, dass jemand lügt. Mithilfe verbaler und nonverbaler Hinweise sammeln wir Informationen, um uns ein Urteil bilden zu können, wie wahrscheinlich es ist, dass derjenige die Wahrheit sagt oder dass er lügt. Was wir einzig und allein wahrnehmen können, sind immer nur Hinweise auf eine Täuschung, niemals Beweise.

In meinem Buch, das im Oktober erscheint, finden Sie ein ganzes Kapitel zum Thema Lügenerkennung. In diesem Blogbeitrag geht es um einen Teil dieses Wissen. Es geht um die drei Meta-Emotionen, die beim Lügen besonders häufig auftreten.

Die drei Meta-Emotionen beim Lügen

Das Wort Meta kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie über. Meta-Emotionen sind also übergeordnete Gefühle. Damit möchte ich hier folgendes ausdrücken: die Meta-Emotionen treten durch den Akt des Lügens auf und beziehen sich nicht auf den Inhalt einer Lüge. Es sei noch angemerkt, dass grundsätzlich alle Emotionen auftreten können, während jemand lügt. Die folgenden drei sind aber besonders häufig und typisch dafür. Die drei Meta-Emotionen beim Lügen sind:

    1. Die Angst erwischt zu werden oder als Lügner dazustehen
    1. Ein schlechtes Gewissen (Schuld), die andere Person anzulügen
    1. Die Freude darüber, dass man den anderen an der Nase herumführt


In dem Galileo-Beitrag hat der Immobilienmakler u.a. Angst als Täuschungshinweis gezeigt. Deswegen gehen wir hier ausführlicher darauf ein. Die Angst ist aufgetaucht als Annika nach dem Straßenlärm gefragt hat. Der Makler sagte, dass die Straße auch in der Woche ruhig sei und zeigte dabei eine Mikroexpression von Angst. Wie lässt sich das interpretieren?

Angst als Hinweis auf eine Täuschung

Angst ist die häufigste Emotion, die beim Lügen vorkommt. Hier gibt es zwei unterschiedliche Arten, die typisch sind. Erstens die Angst davor erwischt zu werden und die Konsequenzen dafür tragen zu müssen, wie zum Beispiel Vertrauensverlust, Beendigung einer Beziehung, Kündigung oder auch eine Geld- oder Gefängnisstrafe. Manchmal geht es hier allerdings nicht darum, etwas zu verlieren, sondern darum, dass man Angst davor hat etwas nicht zu bekommen, wenn die Lüge auffliegt, wie zum Beispiel als Makler die Provision für eine vermittelte Wohnung (vgl. Galileo-Beitrag). Je mehr auf dem Spiel steht, desto größer die potentielle Angst. Die zweite Angst ist die Angst davor als Lügner dazustehen. Denn Lügen an sich wird sozial nicht geschätzt und mit einem Menschen, der als Lügner gilt, möchte so gut wie niemand etwas zu tun haben. Aus diesem Gesichtspunkt heraus sollte das Ziel einer wahrheitsfördernden Gesprächsführung sein, dass alles darauf abgestimmt wird, dass jemand der die Wahrheit sagt sich entspannt, und ein Lügner zunehmend mehr Angst entwickelt.

Fazit: Wenn wir bei unserem Gesprächspartner Angst wahrnehmen und diese nicht zur Situation passt, also nicht durch andere Faktoren erklärt werden kann, sollte sie als Täuschungshinweis betrachtet werden. Und genau wie Annika es in dem Galileo-Beitrag gemacht hat, sollte die Angst hinterfragt bzw. "abgeklopft" werden. Denn wir können zwar die Gefühle eines Menschen erkennen, wir sehen aber niemals den Grund dafür. Als der Makler auf Annikas Frage nach dem Straßenlärm antwortete, dass die Wohnung auch in der Woche ruhig sei, wurde sie misstrauisch und "klopfte" die Angst deshalb ab, indem sie sagte: "Gut, dann können wir uns die Wohnung ja am Montag noch einmal angucken, oder?" Daraufhin zeigte der Makler eine Mikroexpression von Ablehnung (in diesem Fall ein sehr schnelles und unwillentliches Rümpfen der Nase). Ein weiterer Hinweis darauf, dass mit seiner ersten Aussage etwas nicht stimmte. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass Annika mit ihrer Vermutung richtig lag.