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Warum Sabine Lisicki Wimbledon doch noch gewonnen hätte...


Auch wenn die 23jährige Sabine Lisicki das Wimbledon-Finale gegen die Französin Marion Bartoli verloren hat, war es trotzdem eine Sensation und sie hat sich alle Hochachtung für ihre großartige Leistung verdient. Seit Steffi Graf 1999 im Endspiel von Wimbledon war, hatte es bis zum heutigen Tag keine deutsche Tennisspielerin mehr bis dorthin geschafft. Aus nonverbaler Sicht war folgendes spannend: Sabine Lisickis Spielleistung lief synchron mit dem Spiel der Emotionen in ihrer Mimik ab. Deswegen lohnt sich hier eine kurze nonverbale Analyse.

Sabine Lisickis Mimik im Wimbledon-Finale - eine kurze Analyse

Dominierend war bis kurz vor Spielschluss insbesondere eine Expression in ihrem Gesicht - der Ausdruck von Trauer (hier: Hochziehen der Augenbrauen-Innenseiten). Auch wenn nonverbale Signale niemals Beweise für den inneren Zustand eines Menschen sind, sondern immer nur Hinweise geben, war diese Expression wahrscheinlich kennzeichnend für den Druck, den Lisicki gespürt haben muss.

Subtile Expression von Trauer - Hochziehen der Augenbrauen-Innenseiten Subtile Expression von Trauer - Hochziehen der Augenbrauen-Innenseiten

Unmittelbar vor dem ersten Aufschlag, als sie von ihrem Platz aufstand und noch einen Blick auf die Tribüne warf, zeigte sie bereits für einen kurzen Augenblick diesen Ausdruck in ihrem Gesicht - kombiniert mit einem Lächeln. Daran ließ sich bereits erahnen, dass sie mental-emotional nicht in ihrem optimalen Leistungszustand war. Dies war im ersten Satz - den sie mit 1:6 verlor - auch deutlich an ihrer Spielperformance zu erkennen. Der Druck schien einfach zu groß. Die Expression von Trauer steigerte sich soweit, dass, als der Rückstand immer größer wurde, Lisicki sichtbar mit den Tränen kämpfte.

Im zweiten Satz beim Rückstand von 1:5 - Marion Bartoli fehlte also noch ein einziges Spiel zum Matchsieg - kam dann die Wende, sowohl in der Mimik Lisickis als auch in ihrem Spiel. Als ob in einem einzigen Augenblick nicht nur der eigene sondern auch der von außen auf sie projizierte Erwartungsdruck - von vielen wurde sie als Favoritin für das Finale gehandelt - von ihr abfiel. Als Sabine Lisicki in diesem Moment noch einmal alle Kraft zusammen nahm und zum 2:5 aufholte, zeigte sie zum ersten Mal im gesamten Match einen Ausdruck von echt erlebter Freude in ihrem Gesicht - ein Zeichen, dass sie in diesem Moment in Kontakt mit ihren Kraftquellen kam. Anschließend spielte sie wie befreit und ihr Spiel war wieder nahezu das, mit dem sie sich ins Finale des ältesten und bedeutendsten Tennisturniers der Welt gekämpft hatte. Sie holte auf bis zu einem Stand von 4:5, aber dann reichte es leider doch nicht mehr und ihre Konkurrentin Marion Bartoli holte das entscheidende Spiel zum Matchsieg.