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Wetten, dass... die Mimik gezuckt hat!? (Praxisreihe Mimik-Analyse)


Am Samstag lief die 208. Folge von "Wetten, dass...!?" Die Einschaltquoten sind so tief wie noch nie. Mit einem Staraufgebot hat das ZDF versucht gegen die Fahrt in den Quotenkeller anzukämpfen. Für radioeins habe ich die Mimik von Markus Lanz und seinen Gästen analysiert.

Das Video mit den Ergebnissen meiner Mimik-Analyse können Sie sich hier anschauen.


Und es gab aus nonverbaler Sicht noch ein weiteres Highlight. Dieses sehen Sie im Video bei Minute 1:41 im eingefrorenen Bild: der "Stinkefinger".

Lanz_Mittelfinger

Markus Lanz zeigt hier sehr wahrscheinlich nicht bewusst den Stinkefinger, sondern unbewusst. An diesem gestischen Ausrutscher ist erkennbar, wie sehr ihn die Diskussion um die Einschaltquoten und seine Performance "stinkt" und auch belastet. Aber könnte es nicht nur Zufall sein, dass er hier den Mittelfinger zeigt? Um diese Frage zu beantworten, lassen Sie uns etwas genauer hinschauen, worum es sich beim "Stinkefinger" aus nonverbaler Sicht handelt.

Der "Stinkefinger" ist ein Emblem

Der "Stinkefinger" ist ein sogenanntes Embleme. Embleme sind körpersprachliche Ausdrücke, für die es eine direkte Übersetzung gibt. Mit den Fingern eine Zahl anzuzeigen ist ein Beispiel für ein Emblem. Weitere Beispiele sind Kopfschütteln und Nicken sowie Schulterzucken oder eben auch der „Stinkefinger“. Diese Gesten werden ohne weitere Worte verstanden und können Sprache ersetzen. Im Gegensatz zum mimischen Ausdruck der sieben Basisemotionen werden Embleme allerdings nicht kulturübergreifend gleich ausgedrückt. Sie sind erlernt und spezifisch für die jeweilige Kultur.
Mit Emblemen kommuniziert ein Mensch über den Körper genauso klar, wie es mit Worten passiert. Und manchmal verrät der Körper etwas, das mit Worten nicht gesagt wurde. Sind wir uns dessen bewusst, lesen wir diese Signale, auch wenn sie subtil auftauchen. Denken Sie aber bitte auch hier immer daran: Embleme – wie alle anderen nonverbalen Signale – sind nur Hinweise auf den inneren Zustand einer Person und niemals felsenfeste Beweise.

Die drei Phasen einer emblematischen Geste

Jede emblematische Geste, die wir mit den Händen ausführen, hat drei Phasen:

    1. Transportphase: Die Hand wird in Position gebracht.
    1. Präsentationsphase: Die entsprechende Geste wird gezeigt.
    1. Rückzugsphase: Die Hand wird aus dem Präsentationsbereich genommen.

Diese drei Phasen sind bei Markus Lanz sehr schön zu sehen. In Minute 1:33 bewegt er die Hand nach unten (Transportphase). Bei 1:34 stoppt die Hand kurz (Präsentationsphase), um anschließend weiter nach unten zu gehen (Rückzugsphase). Da alle drei Phasen vorhanden sind, ist es sehr unwahrscheinlich, dass es sich bei dieser Geste um einen bloßen Zufall handelt.

Tipp für die Praxis

Embleme können wertvolle Einsichten in die Innenwelt einer Person geben. Achten Sie besonders auf subtile Embleme, wie zum Beispiel ein leichtes und sanftes Kopfschütteln, während jemand „Ja“ sagt. Denn Inkongruenzen in Form von Emblemen (auch emblematische Ausrutscher genannt) zeigen sich in den meisten Situationen nur sehr subtil. Versuchen Sie sich dann einzufühlen, um zu erspüren, was das Emblem in dieser Situation bedeuten könnte und wenn es wichtig ist, fragen Sie in angemessener Form nach.

Ein weiteres Videobeispiel für die Bedeutung von Emblemen finden Sie hier.