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Der deutsche „Clássico“ und ein Maulwurf in Bayern (Praxisreihe Mimik-Analyse)

Am Samstag gab es in der Fußball-Bundesliga den deutschen "Clássico": FC Bayern München gegen Borussia Dortmund. Und es hätte nicht dramatischer sein können. Den ersten Treffer für die Bayern hat in der 66. Minute ausgerechnet Mario Götze geschossen. Auf Jubel hat er verzichtet. Aber nicht nur die Frage, ob diese Geste echt war, hat die Fußballwelt bewegt. Am Samstag hat die BILD-Zeitung Informationen über die geheime Taktik veröffentlicht, die Pep Guardiola - der Trainer von Bayern München - gegen die Borussen geplant hat. Es scheint einen Maulwurf in der Mannschaft des FC Bayern München zu geben. Guardiola soll nun gedroht haben, dass Köpfe rollen werden.

In einem Sky-Interview haben sich Karl-Heinz Rummenigge und auch der Sportchef der BILD Alfred Draxler dazu geäußert.

Mario Götze und die Freude(?) über sein Tor gegen Dortmund

Beginnen wir die Analyse mit Mario Götze. War sein Verzicht auf Jubel echt?

Da Mario Götze in diesem Moment gerannt ist, war seine Mimik nur schwer zu erkennen. Was ich aber entdeckt habe, ist ein Hauch von echter Freude in seinem Gesicht. Erkennbar in einem leichten Lächeln, bei dem die Augen minimal beteiligt waren. Er hat allerdings sofort versucht, das Lächeln zu unterdrücken. Das war auch daran sichtbar, dass er seinen Kopf gesenkt und nach unten geguckt hat. Wenn wir kongruent Freude ausdrücken, richten wir uns normalerweise auf.

Die Mimik lässt sich allerdings nicht so leicht kontrollieren wie die Körpersprache. Wenn wir starke Emotionen spüren, bahnen sie sich über unser Gesicht den Weg nach außen. Das liegt daran, dass unsere mimische Muskulatur direkt vom limbischen System - unserem Emotionszentrum - gesteuert wird.

Leider verrät uns die Mimik aber nur, dass sich Mario Götze gefreut hat, aber nicht was der Auslöser für seine Freude war. Darüber kann ich nur Vermutungen anstellen. Sein Start beim FC Bayern war von Verletzungen geprägt. Sein Können konnte er also bisher nicht wirklich unter Beweis stellen. Ich glaube deshalb, dass er sich mehr über den Umstand gefreut hat, dass er ein Tor geschossen hat, als darüber, dass es ihm gegen Dortmund gelungen ist. Es gab nämlich noch eine weitere Szene.

In der 87. Minute hat Thomas Müller das 3:0 für die Bayern geschossen. Hier habe ich eine sehr schöne Nahaufnahme von Mario Götze. Während seine Mannschaftskollegen jubelten, war bei ihm im Gesicht keine Spur von Freude erkennbar. Daran wird deutlich, dass er im Herzen immer noch mit Dortmund verbunden ist.

Mario Götze nach dem 3:0 durch Thomas Müller

Mario Götze nach dem 3:0 durch Thomas Müller

Der bayerische Maulwurf

Am Samstag hat die BILD Informationen über die geheime Taktik veröffentlicht, die Pep Guardiola gegen die Borussen geplant hat. Es scheint einen Maulwurf in der Mannschaft vom FC Bayern zu geben. Guardiola soll nun gedroht haben, dass Köpfe rollen werden. In einem Sky-Interview haben sich Karl-Heinz Rummenigge und auch der Sportchef der BILD Alfred Draxler dazu geäußert. Die O-Töne aus dem Interview können Sie sich in dem radioeins-Mitschnitt (vgl. oben) anhören.

Beginnen wir die Analyse mit dem Sportchef der BILD Alfred Draxler. Er zeigt während seines Statements deutliche Signale für einen erhöhten Stresspegel. Wortwiederholungen, Räuspern, Kratzen an der Nase und schnelles Blinzeln. Das sind alles Hinweis darauf, dass ihn die Situation offensichtlich ganz schön unter Stress setzt und ihm sehr unangenehm ist.

Beruhigungsgeste bei Alfred Draxler, dem Sportchef der BILD-Zeitung

Beruhigungsgeste bei Alfred Draxler, dem Sportchef der BILD-Zeitung

Beim Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern München Karl-Heinz Rummenigge waren zwei Emotionen zu beobachten. Er beginnt damit, dass er sagt, dass das ein Thema ist, das es seit 30, 40 Jahren in der Bundesliga gibt. Seine Aussage schließt er mit einem Einpressen seines linken Mundwinkels. Dabei handelt es sich um ein Zeichen für Verachtung. Das zeigt sehr deutlich, was er von solchen Maulwurfs-Aktionen hält.

Karl-Heinz Rummenigge presst sein linken Mundwinkel ein - ein Zeichen für Verachtung

Karl-Heinz Rummenigge presst sein linken Mundwinkel ein - ein Zeichen für Verachtung

Anschließend sagt er: "Deshalb werden Mannschaftssitzungen intern gemacht, damit sie eben extern nicht kundgetan werden." Sein Statement beendet er, indem er seinen Kiefer nach vorne schiebt. Dieser sogenannte Kiefervorstoß ist ein Hinweis auf Ärger.

Karl-Heinz Rummenigge schiebt seinen Kiefer nach vorne - ein Hinweis auf Ärger

Karl-Heinz Rummenigge schiebt seinen Kiefer nach vorne - ein Hinweis auf Ärger

Auch dem Vorstand es FC Bayern München schmeckt also anscheinend die Aktivität des Maulwurfs nicht. Spannend wird es, wenn der Maulwurf wirklich entdeckt werden sollte. Rollen dann wirklich Köpfe? Wenn es nach Bayerns Trainer Pep Guardiola geht, würde der Betroffene jedenfalls nie wieder für den FC Bayern spielen.