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Wie Achtsamkeit für die eigene Mimik glücklich macht

Die Facial-Feedback-Hypothese sagt, dass unsere Mimik Gefühle nicht nur nach außen kommuniziert, sondern auch nach innen. Das heißt, wenn wir zum Beispiel bewusst einen ärgerlichen Gesichtsausdruck aufsetzen, werden auch entsprechend Ärger-Gefühle in uns aktiviert. Die Mimik aktiviert und verstärkt also unsere Gefühle. Das können Sie ganz leicht überprüfen und auch für Ihr Selbstmanagement einsetzen: wenn Sie sich das nächste Mal ärgern, entspannen Sie doch mal bewusst Ihr Gesicht (insbesondere die Augenbrauen) und achten Sie darauf, was mit dem Ärger-Gefühl passiert. Sie werden merken: ärgern mit entspannten Augenbrauen fällt verdammt schwer.

Aufbauend auf der Facial-Feedback-Hypothese wurde untersucht, ob sich Depressionen lindern lassen, indem man mit Botox die Gesichtsmuskeln lahm legt, die typisch für den Trauer-Gesichtsausdruck sind. Das Ergebnis der Studie ist beeindruckend: 30 Patienten haben teilgenommen (davon 15 in der Kontrollgruppe). 6 Wochen nach der Botox-Injektion hatte sich die Schwere der Depressionssymptome im Schnitt um 50 % reduziert. Bei einem relevanten Teil der Probanden war die Depression sogar ganz verschwunden. In der Kontrollgruppe (diese haben statt Botox eine Kochsalzlösung gespritzt bekommen) hatte sich die Symptome um nur 9 % verringert. Eine Wirktheorie: wird der traurige Gesichtsaudruck verhindert, wird auch die Entstehung von Traurigkeit gehemmt. Eine detailliertere Beschreibung und ein Interview zu der Studie finden Sie hier.

Aber kann Botox die Lösung sein? Andere Studien haben gezeigt, dass Botox unser Einfühlungsvermögen hemmen kann. Denn das oben beschriebene sensorische Feedback der Mimik ans Gehirn ist auch Grundlage der Empathie. Werden die Gesichtsmuskeln gelähmt, spüren  wir auch weniger, was andere fühlen. Und das ist natürlich nicht wünschenswert, denn das Fehlen von Empathie erschwert eine gute Kommunikation spürbar.

Wenn nicht Botox was dann? Eine Möglichkeit, das eigene Emotionsmanagement zu optimieren, besteht darin, die Achtsamkeit für die eigene Mimik zu trainieren. Das machen wir zum Beispiel gezielt in den Mimikresonanz-Seminaren.

Tipp für die Praxis:

    • Achten Sie in den nächsten 7 Tagen doch mal darauf, wie oft Sie die Augenbrauen zusammenziehen (-> "Zornesfalte") und wenn Sie dies merken, entspannen Sie Ihre Augenbrauen ganz bewusst. Das Zusammenziehen der Augenbrauen kommt typischerweise bei drei Emotionen vor (neben anderen, zusätzlichen mimischen Bewegungen): Ärger, Trauer und Angst. Sowie bei Schmerz. Wenn Sie Ihre Augenbrauen öfter entspannen, reduzieren Sie damit negative Gefühle. [Wichtig ist natürlich, sich auch mit den Ursachen und Auslösern der Gefühle auseinanderzusetzen, denn jedes Gefühl hat eine wichtige Funktion. Aber dazu in einem späteren Blog-Beitrag mehr.]
    • Für den Aufbau einer positiven Stimmung lächeln Sie mehrmals täglich ganz bewusst. Das verstärkt das positive Feedback der Mimik ans Gehirn.