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Die drei besten Mikroexpressionen 2013


Das Jahr 2013 ist fast vorüber. Zeit dafür, die drei besten Mikroexpressionen aus 2013 zu prämieren. Im vergangenen Jahr habe ich mir viele Interviews, unzählige Talkshows und Pressekonferenzen angesehen. Dabei ist sehr viel Material zusammengekommen. Stellt sich die Frage: Was waren die drei interessantesten Gesichtsausdrücke des Jahres? Es war gar nicht so leicht hier eine Entscheidung zu treffen. Bei meiner Auswahl habe ich mich auch davon leiten lassen, welche Blogbeiträge die meisten Zugriffszahlen hatten. So haben Sie als Leser meines Blogs also mitbestimmt, welche drei Mikroexpressionen die besten des Jahres 2013 waren.

Das Video mit Zeitlupenaufnahmen der drei besten Mikroexpressionen 2013 können Sie sich hier ansehen:


Platz 3: Angela Merkel

Den dritten Platz hat sich Angela Merkel gesichert. Mit einer Dreier-Kombination von schnellen Mikroexpressionen in der RTL-Sendung „An einem Tisch mit Angela Merkel“ vom 25. August.  Am Ende der Sendung haben alle Gäste eine Vorher-Note und eine Nachher-Note für Angela Merkel vergeben. Die Vorher-Note bezog sich auf die Bewertung vor der Sendung und die Nachher-Note auf die Einschätzung nach der Sendung. Und bei nur einem Gast - Prof. Eckhard Freies - war die Nachher-Note schlechter als die Vorher-Note: Aus einer 4+ wurde eine 4-.
In der Sendung gab es eine Szene, die die Verschlechterung der Note durch Prof. Freise besonders beeinflusst haben dürfte. Diese war direkt zu Beginn. In dem Video, das Sie am Anfang des Beitrags finden, können Sie sich die Szene anschauen. Hierbei handelte es sich um die erste Interaktion in der Diskussionsrunde zwischen der Bundeskanzlerin und dem Professor.

Jeder Gast sagte zu Beginn, was er mit Frau Merkel gerne unternehmen würde. Professor Freise sagte in dieser Szene, dass er Frau Merkel mit in ein Schachcafé nehmen würde, um dort mit einem Computerprogramm gemeinsam Schach zu spielen. Die Bundeskanzlerin reagierte im darauf folgenden Dialog mit einer Reihe von kurzen mimischen Expressionen. Erst zog sie sehr kurz die Oberlippe hoch. Hierbei handelt es sich um eine Mikroexpression, die Ablehnung ausdrückt. Gefolgt wurde dieser Ausdruck von einem Zusammenziehen der Augenbrauen (bedeutet meist Irritation oder Skepsis), sowie ein paar Sekunden später von einem einseitigen Anheben des linken Mundwinkels (dies kann Geringschätzung signalisieren, insbesondere wenn es wie hier davon begleitet wird, dass der Blickkontakt unterbrochen wird).

Merkel_Collage_RTL_2

Fotos: Screenshots aus “An einem Tisch mit Angela Merkel”, RTLnow, 25.08.2013

Auch wenn Herr Freise diese Signale nicht bewusst registriert hätte, so kamen die Gefühle zumindest auf unbewusster Ebene bei ihm an. Und das war aus meiner Sicht einer der Gründe dafür, dass sich seine Note für die Kanzlerin von einer 4+ auf eine 4- verschlechtert hat.

In meinem Blogbeitrag Die Bundeskanzlerin und der Professor - wie Mimik die Wählergunst beeinflusst... (vom 26. August 2013) habe ich die Szene und das dahinterstehende Phänomen noch ausführlicher beschrieben.

Platz 2: Hinnerk Baumgarten mit Katja Riemann

Auf Platz 2 ist eine Mikroexpression des NDR-Moderators Hinnerk Baumgarten. Am 14. März war Katja Riemann bei ihm zu Gast in der Talksendung DAS. Das Interview hat damals in der Presse hohe Wellen geschlagen. Im „Spiegel“ hieß es sogar „Katja Riemann benimmt sich in NDR-Sendung daneben“. Was war passiert? In meinem Blogbeitrag Das Skandalinterview mit Katja Riemann (vom 17. März 2013) habe ich drei entscheidende Szenen aus dem Interview analysiert. Diese können Sie dort noch einmal nachlesen.
Heute interessiert uns nur die zweite Szene. Der Moderator Hinnerk Baumgarten macht hier eine lockere Bemerkung zur Frisur von Katja Riemann: „Ich bin sehr froh, dass Sie Ihre blonden Locken haben, weil heute Morgen habe ich Sie schon angesehen in dem Kinofilm „Das Wochenende“ und da habe ich Sie fast nicht erkannt…“ Abgesehen davon, dass das ein sehr abrupter und unglücklicher Übergang vom Tod Fendels zur Frisur Riemanns ist, ist hier der mimische Ausdruck spannend, mit dem er seine Aussage unterlegt. Welche Emotion erkennen Sie in seiner Mimik?

Screenshot aus dem Interview-Mitschnitt, Sekunde 28

Screenshot aus dem Interview-Mitschnitt, Sekunde 28

Er rümpft die Nase und zieht die Oberlippe hoch. Das ist der prototypische Ausdruck für Ekel/Abscheu. Auch in einer milderen Form ein Signal für Ablehnung. Damit transportiert er deutlich sichtbar, wie er die Frisur von Riemann in dem Film "Das Wochenende" fand. Und sie reagiert prompt darauf: Sie nickt und lächelt zwar höflich, aber 2 Sekunden später zeigt sich, was wirklich in ihr vorgeht, sie verschränkt die Arme, schließt die Augen, beißt sich auf die Lippen und es folgt eine Reihe von Beruhigungsgesten. Insgesamt zuverlässige Zeichen dafür, dass bei ihr der Stresspegel angestiegen ist.

Diese Szene ist genau wie die Situation mit Angela Merkel ein faszinierendes Beispiel dafür, wie wir über unsere eigene Mimik auch die Gefühle unserer Gesprächspartner beeinflussen. Es gab in dem Interview nacheinander mehrere solcher Momente, sowohl beim Moderator als auch bei Katja Riemann. Und so schaukelte sich die Atmosphäre immer mehr ins Negative.

Platz 1: Markus Lanz

Den ersten Platz für die beste Mikroexpression belegt ganz klar Markus Lanz mit einer Szene aus "Wetten, dass...!?" vom 10. November 2013. In meinem Beitrag "Wetten, dass... die Mimik gezuckt hat!?" (vom 11. November 2013) können Sie sich die Szene noch einmal ansehen.

Markus Lanz spricht dort mit dem Oberbürgermeister von Halle und fragt ihn, wie ihm die Sendung denn so gefällt. Der Bürgermeister antwortet: "Ja, wir tragen dazu bei, dass die Sendung wieder richtig boomt. Es ist eine absolute Show heute Abend." Lanz sagt daraufhin: "Läuft. Absolut."

Er zeigt bei seiner Aussage aber eine Fülle an Stresssignalen: Erst leckt er sich die Lippen, dann presst er sie zusammen, anschließend kratzt er sich an der Wange. Das muss nicht heißen, dass er gedacht hat, es läuft schlecht. Der ansteigende Stresspegel ist in dieser Situation aber ein Hinweis darauf, dass er zumindest unsicher war, wie die Sendung läuft.
Was diese Szene so spektakulär und spannend macht, ist, dass Markus Lanz zusätzlich unbewusst den Mittelfinger gezeigt hat – eine klassische gestische Entgleisung. Und ein weiterer Hinweis, wie sehr ihn die Diskussion um die Einschaltquoten und seine Leistung "stinkt" und auch belastet.

Lanz_Mittelfinger

Ausblick

Das waren die drei besten Mikroexpressionen aus 2013. Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins neue Jahr und freue mich darauf, Ihnen im neuen Jahr wieder neue Einblicke in die menschliche Mimik geben zu dürfen.

Wenn Sie Ihr Wissen darüber hinaus noch vertiefen möchten, finden Sie alles rund um die Mimik und die zentralen Emotionen, die uns im Leben bewegen, in meinem Buch: Mimikresonanz. Gefühle sehen. Menschen verstehen.

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