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Was wir vom Ironman für unser Glück lernen können (Praxisreihe Mimik-Analyse)


Der Ironman auf Hawaii ist der älteste und spektakulärste Ironman-Wettkampf. Am Samstag hat er wieder stattgefunden: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und dann noch einen Marathon hinten dran. Eine wahnsinnige Leistung, die die Athleten dort erbringen. Und dieses Mal wurde der Ironman von deutschen Sportlern geprägt. Sebastian Kienle hat am Samstag als vierter Deutscher in der Geschichte den Ironman auf Hawaii gewonnen. Und auch den dritten Platz hat ein Deutscher belegt: Jan Frodeno. Ich habe die Gesichter nach dem Sieg analysiert und etwas Faszinierendes entdeckt.

Die Gewinner-Mimik von Sebastian Kienle

Beginnen wir die Analyse mit dem Gewinner Sebastian Kienle. Er war wie zu erwarten total überwältigt. Das Interview, das er trotzdem gleich nach dem Sieg gegeben hat, können Sie sich hier auf Youtube ansehen:



Hier hört und sieht man sehr deutlich wie überwältigt Kienle von seinem Sieg ist. Wie man es erwartet, lächelt er hier über beide Ohren. Dass er wirklich überwältigt ist, sieht man allerdings an zwei anderen Dingen:

    1. Er zieht die Augenbrauen-Innenseiten hoch (ca. Minute 1:00 "Einfach ein Wahnsinns-Gefühl..."). Das signalisiert normalerweise Trauer. Sieht man es allerdings wie hier in Kombination mit Freude, dann ist es ein Hinweis darauf, dass sich für die Person eine starke Sehnsucht erfüllt hat. Und auch ein Hinweis darauf, wie viel Kienle in der wahrscheinlich sehr harten Trainingsphase entbehren musste.
    2. Zweitens schüttelt er immer wieder den Kopf (insbesondere ab Minute 1:15). Das ist hier nicht als Widerspruch zu seinen Worten zu werten. Wir schütteln den Kopf zwar, wenn wir etwas verneinen, das machen wir aber auch, wenn wir etwas unglaublich finden. Dazu passt, dass Kienle hier sagt „Man stellt sich das zwar immer vor...“. Daran merkt man, dass er seinen Sieg noch nicht richtig glauben kann und immer noch wie in einer Art Trance ist.

Wie Sie am Gesichtsausdruck den Zweitplatzierten erkennen

Wenn Sie sich das Foto der Siegerehrung anschauen: Was denken Sie, wer ist der Zweitplatzierte? Mal spontan aus dem Bauch heraus.

Quelle: dpa Quelle: dpa

Wir sehen hier zum Einen den Sieger Sebastian Kienle (Mitte). Jan Frodeno, der den dritten Platz belegt hat, steht rechts. Und links steht der Zweitplatzierte Ben Hoffman. Das Spannende ist: Es reicht ein Blick ins Gesicht, um zu erkennen, wer der Zweitplatzierte ist.

Kienle strahlt auf dem Foto über beide Ohren, wie in dem Interview auch schon. Bei Jan Frodeno ist auch ein Lächeln zu sehen. Der Gesichtsausdruck des Zweitplatzierten Ben Hoffman fällt hier allerdings aus dem Rahmen. Die Augen wirken zwar so, also ob sie leicht mitlachen, wenn man sich aber nur den Mund ansieht, dann sieht das nicht nach Freude aus. Er presst beide Mundwinkel ein. Das machen wir normalerweise, wenn wir unzufrieden mit einer Situation sind. Er wirkt hier also nicht sonderlich glücklich. Und das obwohl er den zweiten Platz belegt hat. Was kann eine Erklärung dafür sein?

Was Sie vom Ironman für Ihr Glück lernen können

1995 haben drei amerikanische Psychologen dazu eine Studie durchgeführt. Und zwar haben sie sich die Gesichtsausdrücke der Silber- und Bronze-Medaillengewinner der olympischen Sommerspiele von 1992 in Barcelona angesehen. Das Ergebnis: Die Bronze-Medaillengewinner wirkten deutlich glücklicher als die Silber-Medaillengewinner.

Im nächsten Schritt hat man dann in der Studie untersucht, woran das liegt. Fazit: Die Silber-Medaillengewinner dachten so etwas wie: „So ein Mist, ein bisschen schneller und ich wäre Erster gewesen.“ Während die Drittplatzierten dachten: „Puh, da hatte ich ja Glück. Ein bisschen langsamer und ich hätte gar keine Medaille bekommen.“ Diese Tendenz, die wir alle haben, nennt sich in der Fachsprache kontrafaktisches Denken.

So lässt sich erklären, warum der Zweitplatzierte Ben Hoffman auf dem Siegerfoto unzufrieden wirkt.

Daran sieht man: Glück ist absolut relativ. Ob wir in einer Situation glücklich sind, wird dadurch beeinflusst, womit wir vergleichen. Vergleichen wir nach oben, also mit Menschen, die es vermeintlich besser haben als wir, macht uns das unglücklich. Vergleichen wir hingegen nach unten, machen wir uns also bewusst, dass es viele Menschen in der Welt gibt, denen es schlechter geht als uns, fühlen wir uns glücklich.

Und das Beste für unser Glücksempfinden wäre, sich das Vergleichen komplett abzugewöhnen. Und einfach wahrzunehmen, was man hat und dafür dankbar zu sein. Aber das ist wohl auch die größte Herausforderung.